Wir alle konsumieren Pornos, lieben tun wir sie jedoch nicht. – by Ragna Spargel

Pornografie ist eine gesellschaftliche Konstante und aus dem Alltag der meisten Menschen kaum wegzudenken. Während die Tatsache an sich in keinster Weise zu verurteilen ist, macht es doch Sinn, die Bilder des Mainstream-Pornos genauer zu betrachten und zu reflektieren, was genau wir dort eigentlich konsumieren, quasi zu uns nehmen, genau wie bei jedem anderen Produkt auch.

Die alternative Porno-Produzentin Erika Lust betont die Wichtigkeit dieses Reflexionsprozesses seit Jahren: genau wie wir viel bewusster unseren Konsum von Nahrungsmitteln und Kleidung, von Energie und Transport gestalten und auf Herstellungsverhältnisse und Qualität der Produkte achten, sollte man vielleicht anfangen, auch in der Pornografie großflächig alternative Angebote zu schaffen.
Denn der Mainstream-Porno bildet immer noch wenig Diversität ab. Er ist immer noch oft stark sexistisch und zeichnet starre, verzerrte Geschlechterrollen, die reflektiert werden sollen, da sie Ungleichheiten und Privilegien zementieren. Noch immer ist der heterosexuelle, auf binären Geschlechtervorstellungen basierende Cis-Porno das vorherrschende Medium, Homosexualitäten, genau wie Interkulturalitäten, werden fetischisiert und für einen kurzen Moment der Stimulation pseudo-toleriert. Der Großteil der im Mainstream-Porno dargestellten Körper ist gestählt, makellos und entspricht dem absurden gesellschaftlichen Konsens zu Idealmaßen. Es wird vermittelt, dass guter Sex einer ganz bestimmten Choreografie folgt, in welcher authentische zwischenmenschliche Momente selten Platz finden, Kommunikation sich auf Floskeln beschränkt und die Ejakulation des Mannes – meist im Gesicht der Frau – das große Finale bildet.

Und auch wenn Pornografie ein Kunstprodukt mit absoluter Daseinsberechtigung ist und wir stetig betonen, uns für reflektierte erwachsene Menschen zu halten, die sich davon abzugrenzen wissen – so ist selbstbewusste weibliche Lust immer noch ein gesellschaftliches Tabu-Thema, ist toxische Männlichkeit eine große zwischenmenschliche Blockade auf vielen Ebenen, schämen wir uns für unsere Körper und grenzen Schönheits-Operationen im Intimbereich mittlerweile an Nasen-Operationen in punkto Häufigkeit heran. Das alles wirft viele Fragen über die Korrelation von Pornografie, beziehungsweise sexualisierten Medienkonsum generell, und unserer Haltung zu Sexualität auf.
Wenn man sich dann noch vergegenwärtigt, dass der momentane durchschnittliche Erstkontakt mit Hardcore-Pornografie bei Heranwachsenden im Alter von acht Jahren stattfindet, erübrigt sich die Frage nach der Wichtigkeit einer Umgestaltung der Porno-Landschaft. Vielleicht ist es in einer Gesellschaft, in welcher die heranwachsenden Generationen als Digital Natives groß werden, umso wichtiger, neben offener Aufklärung und sexualpädagogischen Angeboten auch das Produkt selber langfristig so zu verändern, dass wir es mit gutem Gewissen konsumieren können, weil es eine queer-feministische, körperpositive Grundhaltung und einen starken Konsens-Gedanken vertritt und fair für alle Beteiligten produziert wurde. Dass Pornografie zu etwas wird, das einen nicht wie ein Fast-Food-Burger nach einer Heißhunger-Attacke mit Schuldgefühlen und Bauchschmerzen zurücklässt, sondern nährt, inspiriert und empowered.

Interessiert? Weitere Infos findest du unter: https://cumasyouare.org/uber/ Denn Ragna produziert ein feministisches Porno als Abschlussarbeit. So stay tuned…

Eine Antwort auf „Wir alle konsumieren Pornos, lieben tun wir sie jedoch nicht. – by Ragna Spargel“

  1. Irgendwie ist es genau das gleiche mit dem Thema Selbstbefriedigung. Eigentlich macht es jeder, egal ob mit der Hand oder mit einem Fleshlight Masturbator, jeder weiss, das es der oder die andere macht, und dennoch schämen wir uns darüber zu sprechen

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