„So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung, in dem nicht auch die Menschen ein Fest feiern […] Alle Vorurteile kommen aus den Eingeweiden. Das Sitzfleisch – ich sagte es schon einmal – ist die eigentlich Sünde wieder dem heiligen Geist.Friedrich Nietzsche

Ich stehe am unteren Ende der Klippen, blicke nach oben. Die Sonne steht hoch am Himmel und ich muss die Augen etwas zusammen kneifen, damit ich etwas erkennen kann. Beeindruckt verfolge ich jede Bewegung der Kletterin, die sich anmutig die Felswand empor zieht. Von hier unten sieht es beinahe leicht aus. Ich weiß, dass es das nicht ist. Nicht nur, dass sie sich jeden Griff und jeden Tritt genau überlegen muss, nein, sie muss auch ihr gesamtes Körpergewicht entgegen der Gravitation da hoch hieven.

Ich war einmal an einem Felsen klettern – in North Carolina und ich glaube, dass ich in meinem Leben noch nie so heftigen Muskelkater hatte, wie an den folgenden Tagen. Aber es hatte sich gelohnt. Oben angekommen, konnte ich zur Belohnung den See sehen, in dem die berühmte Tanzszene aus Dirty Dancing gedreht wurde. Voller Adrenalin blickte ich um mich und erinnerte mich an ein Versprechen, dass ich mir bereits als Kind gegeben hatte: Wenn ich groß bin werde ich Abenteurerin.

Nun stehe ich wieder an einem Felsen, schaue der Kletterin voller Begeisterung zu und erinnere mich etwas wehmütig an das Versprechen, das ich mir einst gab. Ich könnte nicht weiter davon entfernt sein, als ich es gerade bin: Mein Alltag besteht aus Schreibtisch und dem Desktop meines Laptops. Auch die vielen Corona bedingten Beschränkungen haben nicht gerade dazu beigetragen, dass ich mich wild und abenteuerlich gefühlt habe. Als ich abends Zuhause in meinem Bett liege, wandern meine Gedanken zurück zu der Felswand. Es ist schon Wahnsinn, wozu der menschliche Körper in der Lage ist, denke ist. Nicht nur, dass er mich Tag ein, Tag aus durch das Leben trägt – nein, ich kann auch Fahrrad fahren, ich kann schwimmen, wenn ich will, kann er mein ganzes Körpergewicht entgegen der Gravitation eine Felswand hochziehen.

Und was mach ich? Ich danke es damit, dass ich täglich mit krummen Rücken vor meinem Laptop oder über meinen Büchern sitze und ihn höchstens bei Ausflügen am Wochenende in Bewegung bringe. Nein, ich bin wahrlich keine Sportskanone. Dabei liebe ich die Bewegung an der frischen Luft und in der Natur. So wird das aber nichts, mit deinen Abenteurerinnenplänen, sage ich zu mir selbst.

Voller Elan, stehe ich am nächsten Morgen früh auf, rolle meine Yogamatte aus und versuche meinen Kreislauf in Schwung zu bringen. Zwanzig Minuten halte ich durch – dann haben meine Bauchmuskeln keine Lust mehr. Aber es ist ein Anfang. Ich gehe in die WG-Küche, koche mir den obligatorischen Kaffee und auch, wenn ich bisher nur in meiner Fantasie eine wilde Abenteurerin bin, fühle ich mich an diesem Morgen empowert. Wer hätte gedacht, dass so ein bisschen Sport, dieses Gefühl in mir auslöst?

z.B. über Gorilla Sports – an dieser Stelle DANKE für die Kooperation