Together for YES

Bleiben wir auch für die Kolumne dieser Woche auf den britischen Inseln. Die der letzten Woche hatte sich mit dem britischen Königshaus befasst – diese Woche blicke ich (so wie ziemlich jede europäische Feminist*in) nach Irland. Dort wurde nämlich am vergangenen Freitag (25.5.18) ein Referendum darüber gehalten, ob der achte Zusatzartikel aus der Verfassung gestrichen werden soll. Dieser untersagt Schwangerschaftsabbrüche selbst bei Vergewaltigung, Inzest oder einer Missbildung des Fötus. Bei einer Abtreibung drohen Frauen bis zu 14 Jahre Haft (vgl. z.B. ZEIT 26.5.18). Ja, du hast richtig gelesen. Was keinesfalls nach einem entwickelten EU-Staat klingt, ist traurige Realität. Tausende Frauen werden durch das Gesetz unfassbaren Belastungen ausgesetzt – ein großer Anteil von ihnen reist ins benachbarte Großbritannien, um den Eingriff dort durchführen zu lassen. Andere können sich den zeitlichen und finanziellen Aufwand nicht leisten: Junge Frauen zum Beispiel, die noch zur Schule gehen und nicht unbemerkt für einige Tage von Zuhause fortkommen. Frauen jeden Alters, die es sich schlicht nicht leisten können, den teuren Eingriff und die Reisekosten zu tragen. Aber auch Frauen, die keine ergebnisoffene Beratung erhielten und die durch staatliche Ächtung zu einer Entscheidung gedrängt wurden. Eine Entscheidung, die schon kaum erträglich ist, wenn die Möglichkeiten für oder gegen eine Abtreibung offen abgewogen werden können.

Zeit, sich den 25. Mai im Kalender zu markieren. Denn am vergangenen Freitag stimmten 66,4 Prozent der irischen Bevölkerung für die Abschaffung des achten Verfassungszusatzes. Endlich!!! Noch bis Ende des Jahres soll dort nun ein neues Gesetz auf den Weg gebracht werden, das Abtreibungen legalisiert. Ein historischer Tag, den es zu feiern gilt! Und das Ergebnis war in der Deutlichkeit bis zum Schluss nicht vorhersehbar: Beide Lager lieferten sich in Umfragewerten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Besonders erschwerend wirkte sich dabei auch der Umstand aus, dass keine Briefwahl möglich war. So reisten tausende Ir*innen (freiwillig) aus der ganzen Welt zurück, um zukünftig nicht mehr gezwungen zu sein in einer bestimmten Situation, nämlich der des Schwangerschaftsabbruchs, reisen zu müssen. So auch eine ehemalige Klassenkameradin aus meiner Zeit als Austauschschülerin. Sie absolviert gerade ein Praktikum auf Bali und sah ihre Pflicht abzustimmen, so dass sie kurzerhand einen viel zu teuren Flug buchte. In ihrem Facebook-Wahlaufruf schilderte sie die Situation und innerhalb zwei Stunden war der gesamte Flugpreis durch Spenden gedeckt. Überwältigend! Und ein Zeichen von Zusammenhalt, von dem wir uns alle eine Scheibe abschneiden sollten. Umso schöner ist das klare Zeichen für Selbstbestimmung und für das Leben, das schon geboren ist – das der schwangeren Frauen.

In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch übrigens auch rechtswidrig, bleibt unter bestimmten Bedingungen (die in der Regel zutreffend sind) aber straffrei. Praktisch mag das zunächst nach keinem großen Problem aussehen. Was das für Frauen, die über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken, für eine Normativität mit sich führt, wird dabei massiv unterschätzt. Ich bin selber noch nicht in der Situation gewesen, über die Fortführung oder den Abbruch einer Schwangerschaft nachdenken zu müssen und kann mir nur versuchen vorzustellen, wie viele Gedanken und Gefühle es dabei zu beherrschen gilt. In meinem engen Freundeskreis war dies jedoch schon mehr als einmal der Fall. Die Entscheidungen gingen unterschiedlich aus. Das zeigt, wie nah das Thema an jeder Frau ist. Es betrifft uns alle und wir müssen uns solidarisch zeigen. Abtreibungen sind keine Entscheidung die sich irgendeine Frau leicht macht – wage ich zu behaupten. Keine Entscheidung, die spurlos an der Betroffenen vorbei geht. Und die Deklaration als Straftatbestand ist dabei nicht hilfreich. Ganz zu schweigen von den Begleiterscheinungen, dass durch dieses Stigma z.B. ein öffentlichkeitswirksamer Informationsfluss zwischen Gynäkolog*innen und Patientinnen gehindert wird. Denn laut §219a StGB ist sämtliche Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verboten – das umfasst auch Informationen auf Webseiten von Frauenärzt*innen. Für schwere Entscheidungen ist eine gute Informationsgrundlage jedoch unabdingbar. Die Debatte darüber ist auch in Deutschland erneut entfacht und der Streit ist groß. Bisher existiert der §219a StGB unverändert, aber diverse Kampagnen – unter anderem organisiert von prochoice_de – leisten großartige Arbeit, im Kampf für die Selbstbestimmung der Frau – in jeder Situation.

Aber heute lasst uns feiern! Den Erfolg auf der irischen Insel! Und dann streiten und kämpfen wir weiter – gestärkt aus dem irischen Erfolg. Denn es gibt noch viel zu tun: My body, my choice!

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