Royal Wedding

Eigentlich kann ich kein Bild mehr sehen, das Harry und Meghan – die neuen Duke and Duchess of Sussex – zeigt. Vom Klatschblatt über die sozialen Netzwerke bis hin zur Tagesschau… alle berichteten sie über die Hochzeit des Jahres. Und auch Nicht-Royalfans kamen kaum um das Großereignis herum. So lud auch ich mir eine Freundin ein und wir starteten unsere kleine, private Prinzessinnenparty – Sektfrühstück inklusive. Auch in Windsor ließen die ersten Gäste nicht lange auf sich warten und so wurde der Eingang der Kapelle kurzerhand zum Laufsteg. Schnell stand fest: Fashion and Feminism vereint – also führt doch kein Weg an einem Beitrag für den Blog vorbei.

Wir waren uns einig: der Star unter den Gästen war eindeutig Amal Clooney in ihrem sonnengelben Cocktailkleid, designt von der Beatle-Enkelin Stella McCartney. Raffungen an Taille und Ärmeln in Kombination mit einer langen, raffiniert gebundene Schleife an der Rückenseite und seitlich aufgesetztem Hut ließen die glamouröse Juristin strahlen (für Fotos siehe: http://www.vogue.de/lifestyle/artikel/amal-clooney-royale-hochzeit).

Und dann war da natürlich noch die Braut höchstpersönlich. Ich kann Harry nur zustimmen: You look amazing! Das Kleid vom Label Givenchy besticht in strahlend reinem Weiß, cleane Linien und ein U-Boot-Ausschnitt verleihen ihm majestätischen Glanz. Der Schleier trägt Symbole der Flora von allen 53 Commonwealth-Staaten und wird von einem Diadem gehalten, das aus dem Jahr 1932 stammt und eine Leihgabe der Queen ist. Schlicht und klassisch, aber trotzdem ein Statement. Aber mit dem einen nicht genug: Zur Abendparty wechselte die ehemalige Suitsdarstellerin, die sich selbst als Feministin bezeichnet, in ein Kleid, das ebenfalls von Stella McCartney entworfen wurde: ein lilienweißes Neckholderkleid aus Seidenkrepp. Beide Designerinnen sind Britinnen und starke Frauen. Besonders McCartney setzt sich für Nachhaltigkeit ein und verwendet beispielswiese nur vegane Lederimitate und keinen animalischen Pelz. Allerdings hört ihre Verpflichtung zum Tierwohl offensichtlich bei Seide auf – ein tierischer Faserstoff, der aus Kokons der Seidenraupe, Larve des Seidenspinners, gewonnen wird. Ziemlich ekeliger Prozess.

Aber viel wichtiger als der modische Augenschmaus: unter den Roben stecken ja keine Schaufensterpuppen, sondern echte Menschen! Amal Clooney: Juristin, spezialisiert auf internationales Recht. Ihre Karriere führte sie über den internationalen Gerichtshof in Den Haag in eine Londoner Kanzlei, wo sie seit 2010 als Beraterin für Regierungen und die Vereinten Nationen tätig ist. So viel Glamour, so viel Power! Und Meghan Markle? Auch sie powert! Und scheint etwas feministische Vibes in das so strenge Protokoll der Royals zu bringen. Dafür brach das frisch getraute Ehepaar mit verschiedenen Gepflogenheiten auf majestätischen Hochzeiten: Begonnen damit, dass Meghan sich nicht von einem Mann an den nächsten hat übergeben lassen. Denn so romantisch das väterliche an den Altarführen auch sein mag, das ist das ursprüngliche Symbol. Meghans Vater kam aufgrund einer Herzoperation nicht, so dass ihr Schwiegervater, Prinz Charles die Rolle übernahm. Er begleitete sie jedoch nur das erste Stück – dann schritt sie alleine weiter. Selbstbestimmt. Wie groß dieses Statement tatsächlich ist, wurde mir tatsächlich erst später bewusst und es beschreibt auf jeden Fall ein Detail, das ich mir für den Fall meiner potentiellen Hochzeit merken werde. Ein weiterer Brauch, mit dem das Paar bei der Trauung brach, betrifft die Eheringe. Denn traditionellerweise trägt der Ehemann des britischen Adels keinen. Meghan steckte jedoch auch Harry einen solchen an den Finger. Die Liste lässt sich fortführen, ganz zu schweigen, dass Meghan selber nicht aus einer sogenannten adeligen Familie, sondern als Schauspielerin aus der Filmbranche kommt. Die Predigt während des Gottesdienstes hielt zum ersten Mal ein schwarzer Pastor. Meghan hielt als erste Frau eine Rede bei einer royalen Hochzeit. Ehrlich gesagt bin ich schockiert. Sollte eigentlich alles längst Standard sein. Nach kurzer Recherche steht fest: Nicht nur in hochzeitlichen Ritualen besteht massiver Nachholbedarf im britischen Königshaus. Groteske Regelungen gibt es zu Hauf. So zum Beispiel, dass sich Herzogin Kate nicht von Prinz William scheiden lassen darf, sollte er die Thronfolge antreten. Für mich schlicht unvorstellbar und diese „Regeln“ bedürfen dringend einer Novellierung.

Soweit von einem feministischen Königshaus entfernt, fällt es mir schwer, in den Hype um  diese Hochzeit des Jahres einzustimmen. Zumal die neue Herzogin nun von der engsten Beraterin der Queen – Samantha the Panther – königlichen Unterricht erhält, damit sie sich auch richtig, entsprechend der Etikette, verhalten kann… Also kein Grund zur Hoffnung?

Vielleicht schon. Denn – sicher, es bedarf erster Schritte. Und sicher, es ist erfrischend, dass Meghan und Harry sich weltoffen abzuheben scheinen. Und das ist gut und wichtig und dringend notwendig. Aller Anfang ist schwer – besonders, wenn er schon lange überfällig ist. Ich bin jedoch gespannt, wie groß die Früchte dieser jungen Saat sein werden. Da heißt es: abwarten und Tee trinken. Und: niemals aufhören starke Frauen zu feiern.

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