Bluse Vintage – ähnlich z.B. bei Alba Moda

Es ist der erste Dezember und endlich hat also ganz offiziell die Weihnachtszeit begonnen. Auch wenn bei mir schon seit etwa zwei Wochen meine Weihnachts-Playlist bei Spotify hoch und runter läuft, und ich längst die fünf Kisten Weihnachtsdeko aus dem Keller gehievt habe, um mein WG-Zimmer auffällig weihnachtlich zu schmücken, kann mir seit heute auch der muffeligste Weihnachtsgrinch nicht mehr vorhalten, es wäre noch gar keine Weihnachtszeit.

Überflüssig zu sagen: Ich liebe den Advent. Vielleicht liegt es an Corona, vielleicht ist es auch Zufall. Fest steht aber, dass ich dieser Tage ein gesteigertes Bedürfnis habe, den Sachen auf den Grund zu gehen und so habe ich mich dieses Jahr, als es anfing kalt zu werden, gefragt, was es eigentlich ist, dass für mich die Weihnachtszeit so besonders macht. Der christliche Zugang ist es nämlich nicht. Spontan musste ich an die Szene aus Sex And The City denken, in der Charlotte Mitten im Sommer ein letztes Weihnachtsfest feiert, weil sie ihre christliche Konfession ablegt, um Jüdin zu werden. Auch in dieser Folge wird die Frage aufgeworfen, ob es in Ordnung ist, ein religiöses Fest zu feiern, ohne den entsprechenden Glauben zu haben.

Was macht Weihnachten denn nun eigentlich für mich so besonders, frage ich mich also. Das Fest der Liebe, dieses Schlagwort kommt mir als erstes in den Sinn. Es folgen: Nächstenliebe. Zeit zur Besinnlichkeit. Auf einander Acht geben, mal einen Moment innehalten. Alles Worthülsen, die ich mir seit ich Kind bin eingeprägt habe. Aber was bedeutet das denn nun konkret für mich? Vor allem in einer Jahreszeit, in der es ungemütlich wird. So wie heute zum Beispiel, als ich schon um 14:30 Uhr das Gefühl hatte, dass es beginnt zu dämmern. In der es draußen kalt und nass ist und in der die Tage bis kurz vor Heiligabend immer kürzer werden, bis schließlich der kalendarische Winter einbricht. Ich kann diese trüben Tage nicht leiden, die sich nun wie Perlen an einer zu engen Halskette an einander reihen. Und ich gebe nur sehr ungerne zu, wie sehr sie mir jedes Jahr aufs Neue auf mein Gemüt schlagen. Umso mehr Freude bereitet es mir, die Lichterketten auszupacken, vier Kerzen auf meinen Adventskranz zu stecken und es mir in meinen vier Wänden so gemütlich wie möglich zu machen. Gemütlich in dickem Rollkragenpulli ins Bett gekuschelt – ein Glas Rotwein in der Hand und die Vogue dazu, so lassen sich die grauen Tage schon besser aushalten. Und wenn dann auch in den Fenstern meiner Nachbar:innen die Lichter angehen, versetzt das meiner Stimmung einen gehörigen Sprung nach oben. Schon das ist für mich Grund genug, die Weihnachtszeit zu genießen.

An dieser Stelle Danke an Alba Moda für die Kooperation

Doch auch über diese bloße Gemütlichkeit hinaus, hat die Weihnachtszeit eine besondere Bedeutung für mich. Sie ist ein Reminder für mich, verstärkt auf meine Mitmenschen zu achten, mich bei alten, teilweise schon beinahe eingeschlafenen Freund:innen zu melden und zu hören, wie es ihnen geht. Sie ist die Zeit der Selbstreflexion und in meinem Fall die Zeit der tiefen Dankbarkeit für mein grandioses familiäre wie soziale Umfeld und all die privilegierten Umstände, in denen ich aus Zufall qua Geburt gelandet bin.

Ich weiß, dass diese Zeit andererseits für viele Menschen sehr schwer ist. Der Mental Load ist vor allem bei Frauen exponentiell gesteigert, wird uns von außen doch der normative Charakter der Feiertage suggeriert, eben diese mit der heilen Bilderbuchfamilie zu zelebrieren. Auch der finanzielle Aspekt – für alle entsprechende Geschenke zu kaufen, ein großes Festtagsessen zu servieren, einen großen Baum prachtvoll zu schmücken (ich könnte die Liste hier noch ewig weiterführen) – ist in unserer konsumfixierten Gesellschaft, für viele nicht zu tragen. Das, was Weihnachten ursprünglich bedeutet, hat oftmals schon lange nichts mehr damit zu.

Vielleicht ist es also an der Zeit zu überdenken, wie wir die (Vor-)Weihnachtszeit verbringen möchten, was sie uns bedeutet – ob nun Christ:in oder nicht – und was wir aus dieser Zeit für uns persönlich schöpfen können.