Wild World – das Lied läuft gerade bei mir in Dauerschleife. Nicht das Original von Cat Stevens, sondern die Akustikversion von Joanna Wang. Die sanften Gitarrenklänge erfüllen mich mit einer solchen Sehnsucht nach fernen Orten, nach Abenteuern in der großen weiten Welt aber eben auch mit Melancholie und dem Wunsch nach Geborgenheit. Und genau dieser Gefühlscocktail steht bei mir beispielhaft für diese erste verrückte Jahreshälfte 2020. Niemals zu vor habe ich so starkes Fernweh verspürt und gleichzeitig nichts lieber gemacht, als mich in meinem Bett zu verkriechen, mir die Decke über den Kopf ziehen. Bis mir eben diese Decke wiederum auf den Kopf zu fallen drohte und ich unbedingt raus musste, was erleben und ich am liebsten alle Zelte abgebrochen hätte, um mich auf unbekannte Wege in diese wilde Welt zu wagen. Aber wie das – zu Corona-Zeiten? Es war eine Spirale, in der ich mich mal nach unten, dann wieder nach oben bewegt habe. Und irgendwie habe ich mich schließlich doch in dem Gefühls-Gerangel arrangiert. Jetzt rollt langsam alles wieder an und neue Pläne können geschmiedet werden. Und gleichzeitig frage ich mich ganz im Kant’schem Sinne, darf ich mich wirklich wieder so verhalten, wie es B.C. gang und gäbe war – zumindest so lange ich einen Mundschutz trage und die 1,5m Abstand einhalte –, weil es kaum noch angeordnete Verbote gibt, oder ist das wie beim Klimaschutz? Wir dürfen zwar 10 Mal im Jahr fliegen, wissen aber ganz genau, dass das eigentlich Mist ist. Die Frage, die sich mir also immer wieder aufdrängt ist: Wie hole ich mir die große weite Welt in meine kleine Stadtwohnung?

Kleid: Alba Moda

Das meist genutzte Mittel meiner Wahl ist dabei sicherlich der kleine Garten im Hinterhof, der mich – nicht nur wegen diesem sonnig warmen Frühling – an die Provence erinnert. Über die Steinmauer mit gelber Patina wuchert ein Mix aus Efeu und Blauregen, auf der Terrasse verteilt sich der provenzalische Duft von Lavendel und Thymian und auch das Hochbeet, das meine Mitbewohnerin liebevoll gestaltete hat, wächst und gedeiht prächtig. Während ich mich also viel und gerne mit dem selbstangebauten Gemüse bekochen lasse, liegt mein kulinarischer Beitrag wohl eher in der Auswahl des passenden Aperitifs. Ganz hoch im Kurs steht da gerade ein Crémant aus dem Loiretal.
Doch auch meine Gaderobe gewinnt nach Wochen im Pyjama wieder an Bedeutung: Während Joanna Wangs weiche Stimme „hope you have a lot of nice things to wear” singt, schlüpfe ich in diesen Sommertagen am liebsten in leichte Sommerkleider, die mich an das dolce vita in diversen Italienurlauben erinnern.

Kleid von Laurèl über Alba Moda

Und so fühlen sich auch die kurzen Lesestunden auf der Terasse in meiner Mittagspause (die mich dann doch an fremde Orte entführen), die gemeinsamen Abendessen in der WG, die wir nach allen Regeln der Kunst zelebrieren oder die sommerlichen Abendspaziergänge im flatternden Rock nach einer kleinen Auszeit abseits des neuen Corona-Alltags an.

Leseempfehlungen für den Sommer