erste Eindrücke von Fashion and Feminism in den USA

Für ein Praktikum verschlägt es meinen Verlobten und mich für zwei Monate in die USA und obwohl ich nun schon einige Wochen in den USA bin, bin ich noch immer in der Beobachtungsrolle. Aber beginnen wir am Anfang: First stop: New York! Und ich bin völlig überwältigt. Meine erste Erkenntnis – Fashionistas aufgepasst -: New York trägt Flats. Was in der Welt von Carrie Bradshaw fast unvorstellbar ist, aber wer mir auch begegnet: alle tragen sie Sportschuhe oder schicke Ballerinas. Ich kann nicht anders als zu assimilieren und erlaube mir eine Ausnahme im Konsumstopp. Auf unserem Weg, der gezielt an allen Touri-Attraktionen vorbeiführt, schlendern wir also in diverse (Schuh-)Geschäfte. Und mitten am Times Square werde ich schließlich fündig: ein Paar von Steve Madden: wild durcheinander platziertes Glitzer auf einer etwa fünf Zentimeter hohen weißen Plateausohle. Irgendwie sehen die sogar sportlich aus! Ich bin absolut zufrieden – meine neuen Nicht-Heels sind also trotzdem keine Flats : ) So schlendere ich in meinen neuen Schuhen durch die Stadt und versuche die Atmosphäre aufzusaugen. Und eines kann ich mit Gewissheit sagen: Ich bin ein Großstadtmensch. Wir passieren Fashion-Shootings und Presale-Events und Dank des quadratischen Rasters fällt die Orientierung leicht. Ich fühle mich, als wäre ich Teil eines Films. So viele Ecken sind mir so vertraut und ich kann es nicht fassen, nun plötzlich tatsächlich Teil des Ganzen zu sein. So vergeht die Zeit, während wir uns ein typisches (und fettiges) Stück Pizza auf die Hand holen und uns einfach treiben lassen.

Der Abend führt uns zum Broadway. Dort haben wir Karten für Uma Thurmans Broadwaydebut: The Parisian Woman. Uma Thurman hatte gerade zwei Wochen zuvor in einem Interview mit der New York Times über sexuelle Belästigung durch Harvey Weinstein berichtet. Auch mit Quentin Trentino hatte sie erniedrigende Erlebnisse, als Hauptdarstellerin in Kill Bill. Am Set soll er sie bespuckt und zu einem gefährlichen Stunt gezwungen haben, der einen schlimmen Unfall zur Folge hatte. In dem Theaterstück spielt sie nun eine starke Frau, die hinter den Kulissen politische Intrigen strickt, um ihrem Mann zu einem wichtigen Richterstuhl zu verhelfen – das Stück ist von Beau Willimon, dem Drehbuchautoren von House of Cards, geschrieben und ist eine moderne Neuauflage der französischen Komödie La Parisienne von Henri Becque, die 1885 uraufgeführt wurde. Ehrlicherweise finde ich das Stück etwas flach, die Komplexität der Probleme in der aktuellen politischen Kultur scheint erzwungen witzig dargestellt und geht dadurch etwas verloren – aber das Stück auf dem Broadway zu sehen war ein grandioses Erlebnis. Also schließe ich mich dem Trend der Zeit an und poste ein Bild vom Abend im Theater auf Instagram – und bin nicht wenig überrascht, als kein anderer als Quentin Tarantino tatsächlich mein Bild liked. (Anmerkung: Kurz zuvor hatte ich in einem Zeitartikel gelernt, dass das kleine blaue Häkchen auf Instagram (und übrigens auch auf Facebook) ein Zeichen für Verifizierung ist. So stelle ich fest, dass mein Post zu Uma Thurman also vom „echten“ Regisseur geliked worden ist – verrückte Welt!).

Unsere Reise führt uns weiter nach Washington D.C. – second stop! Hier haben wir nur einen Tag Aufenthalt und wollen den Tag dazu nutzen, das Kapitol und die National Mall zu besichtigen. Es fühlt sich ganz merkwürdig an, durch die pompösen Räume und die engen Korridore zu laufen. Nach einer Führung durch den historischen Teil akkreditieren wir uns für die Besichtigung der aktuellen genutzten Räumlichkeiten für das House of Representatives und den Senat. Handys und alle übrigen elektronischen Geräte müssen abgegeben werden – sämtliche Aufnahmen sind strengstens verboten. Ich lasse mich in einen der Sitze auf der Zuschauer*innentribüne fallen und versuche das Gefühl aufzusaugen, schließlich wird das die einzige Erinnerung sein, die bleibt. Ich denke an die wenigen weiblichen Statuen, die im Kapitol ausgestellt sind und an die weit über hundert männlichen. Sie repräsentieren in etwa das Geschlechterverhältnis im Senat und im Kongress. Was ich natürlich auch zuvor wusste, sehe ich nun plastisch vor mir: Das Machtgefüge der Weltpolitik war und ist männlich dominiert. Egal wie viele selbstbewusste und starke Frauen* ich auf den Straßen von New York und D.C. gesehen hab: das Patriachat lebt – es ist an der Zeit das zu ändern!

Ich werde während meines Aufenthalts noch oft an dieses Gefühl, das mich auf der Senatstribüne überkommt, zurückdenken. Zum Beispiel, als mir eine Kollegin einige Wochen später erzählt, dass sie immer Senatorin werden wollte – bis sie festgestellte, dass sie nicht das Geld dazu hat,ihr Frau-Sein zu kompensieren und so ohnehin kein Gehör finden würde. Ich spüre, wie Wut und das Verlangen nach Aktionismus in mir aufsteigen und habe soeben meine erste amerikanische und feministische Freundschaft geschlossen.

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